DIE BEWEGUNG




Anfang 2020 trat das Zwischennutzungsreglement von Leerraum in Biel in Kraft. Das „AJZ“ ist seit einiger Zeit auf der Suche nach einer alternativen Lokalität für die Zeit des Umbaus des „Gaskessels“. In diesem Zusammenhang wurde das AJZ“ von der Stadt Biel aufgefordert, ein Konzept für die Zwischennutzung an der Aarbergstrasse 72 einzugeben. Im gleichen Zeitraum wurde den Mietern des „X-Projects“ kommuniziert, dass die Liegenschaft Aarbergstrasse 72 aufgegeben wird und das X-Project an den Rennweg 62 umziehen muss. Der Grossteil der Mieter des X-Projects will das Gebäude an der Aarbergstrasse 72 jedoch gar nicht verlassen.

Diese Mieter werden von der Stadt zum Umzug genötigt, während dem AJZ dieselbe Liegenschaft wiederum angeboten wird. Dies sorgte bei den Aktiven beider Institutionen für grosses Unverständnis. In gemeinsamen Gesprächen haben sich die Beteiligten dazu entschieden eine gemeinsame Lösung anzustreben und ein Konzept zu erarbeiten.

Dies führte zur Entstehung von „EnsembleSTARK/GemeinsamFORT“.




Logo EnsembleSTARK


An der Vollversammlung des AJZ vom 01. März 2020 wurde mit Beteiligung der Mieter des X-Projects folgendes Statement verfasst, welches am 03. März 2020 bei Frau Silvia Steidle (Finanzdirektorin Biel/Biene) eingereicht, den Medien zugesendet und auf der Webseite ensemble-stark.ch publiziert.




Statement

Wir gründen hiermit die Interessengemeinschaft EnsembleSTARK/GemeinsamFORT bestehend aus Mieter/Innen des X-Project und dem AJZ. Wir handeln im Namen und im Interesse der beiden Organisationen. Als Kulturinstitutionen setzen wir uns überregional für die Bewohner/Innen von Biel und Umgebung ein.

Wir verlangen die seit langem ausstehende Anerkennung für unseren Beitrag und unsere Leistungen für die Gesellschaft. Die Wertschöpfung und Teilhabe unserer Mitglieder/Innen und Besucher/Innen ist täglich greifbar und trägt einen grossen Teil zur kulturellen Diversität unserer Stadt bei.

Wir, zwei unersetzliche kulturelle Institutionen der Stadt Biel, fühlen uns in vielen Problematiken nicht verstanden. Daher haben wir beschlossen von sofort an enger zusammenzuarbeiten und unsere Interessen gegenüber der Öffentlichkeit und den Behörden mit Nachdruck zu vertreten.

Für die Gründung dieser stadtprägenden Institutionen musste hart gekämpft werden. Ihr Weiterbestehen und die Wahrung ihrer Interessen ist von grösster Bedeutung für die kulturelle Identität unserer Stadt. Die hier aktiven Kulturschaffenden sorgen für ein interessantes und wertvolles Leben in Biel/Bienne.

Die Stadt und das Volk haben die Verpflichtung zu solchen Institutionen Sorge zu tragen. Das AJZ braucht eine Übergangslösung für seine Tätigkeiten bis zur Wiedereröffnung. Die Kulturschaffenden und das X-Project benötigen nicht einen Umzug, sondern zusätzlichen Raum am Rennweg 62. Denn obwohl die Kapazitäten beider Institutionen bereits am Anschlag sind, erhalten sie regelmässig neue Anfragen, ob Freiräume zur Verfügung stehen. Dies zeigt, dass in der Stadt Biel eine grosse Nachfrage nach weiteren solchen Räumlichkeiten besteht.

Wir, AJZ und X-Project, sind eine Allianz und vereinen unsere Kräfte!





AJZ
Gaskessel




Gründungsjahr
1900
AJZ Bewegung



Eröffnungsjahr
1968
Gaskessel



Besucher
0000
pro Jahr



Im Frühling 2020 blickt das AJZ Biel auf über fünfzig Jahre Geschichte zurück. An einer Solidaritätsdemo mit der Zürcher AJZ-Bewegung im Juli 1968 tauchte zum ersten Mal die Forderung nach einem autonomen Jugendzentrum in Biel auf. Ein erster Meilenstein war im September 1968 der Entwurf für ein 33 Artikel umfassendes Manifest, in welchem das provisorische Aktionskomitee die Utopie eines AJZ in Worte zu fassen versuchte – zentrale Leitsätze haben bis heute Gültigkeit, etwa:

„1. Das autonome Jugendzentrum ist offen für jedermann.
2. Wer es benützt, dem gehört Es.
3. Es wird durch die Vollversammlung seiner Benützer verwaltet.“

Nach zähen und schwierigen Verhandlungen mit der Stadt erhält das AJZ von der Stadt schliesslich den ehemaligen Gaskessel, um darin ein Begegnungs- und Kulturzentrum einzurichten. Es beginnt eine langwierige Umbauphase. Der bis anhin industriell genutzte Gaskessel wird von 1971-75 von Jugendlichen in Eigenregie umgebaut und in den Folgejahren zum Dreh- und Angelpunkt der ersten Veranstaltungen, verschiedener Arbeitsgruppen sowie der Selbstorganisation.

Anfangs der 1980er Jahre wird der Raum knapp, dem AJZ wird nach der Besetzung der Elfenau-Fabrik die „Villa Fantasie“ direkt hinter dem Gaskessel zugesprochen. Der Gaskessel entwickelt sich immer mehr zu einem belebten und kulturell breit ausgerichteten Veranstaltungsort. Mit der regen Nutzung werden aber auch Renovationsbedürfnisse sichtbar.

Mit Kulturwochen und friedlichen Demonstrationen wird 1993 auf diese Bedürfnisse aufmerksam gemacht. Der Stadtrat geht schliesslich auf die Forderung ein, und der Gaskessel kann in den Jahren 1994-96 mit einem Kredit der Stadt renoviert werden. Nun, 25 Jahre später steht die nächste grosse Renovation und der Ersatz der Villa Fantasie an.

Aktuell ist das autonome Jugendzentrum (AJZ) Biel ein Netzwerk, bestehend aus verschiedenen soziokulturellen Projekten. Organisiert in selbständigen Tätigkeitsgruppen (TG) wie etwa der Notschlafstelle „Sleep-In“, dem Infoladen „Chat Noir“, dem Veranstaltungskollektiv „Plutôt Kaos“ oder der Zirkusschule „Zircologik“. Arbeitsgruppen (AG) handeln im direkten Auftrag des AJZ und führen betriebsnotwendige Arbeiten aus. Die AG „Chessu“, als wichtigstes Beispiel, organisiert und koordiniert die Veranstaltungen im Gaskessel/der Coupole, dem Hauptgebäude des AJZ.

Auch heute noch regelt ein immer wieder neu zusammengesetztes Veranstalterkollektiv den Betrieb. Die Coupole ist einer der seltenen soziokulturellen Freiräume und wird seit Beginn als wichtiger Treffpunkt genutzt.

Gegenwärtig ist sie mit jährlich 70’000 BesucherInnen aus der ganzen Schweiz zum wichtigsten Kulturzentrum der Region Biel geworden. Das AJZ ist seit 1978 rechtlich ein Verein. Sein oberstes Organ ist die Vollversammlung (VV), welche regelmässig einberufen wird. Die Benutzer-/Innenversammlung (BV) hat in den 80er Jahren das anfängliche Komitee abgelöst und regelt seither wöchentlich die Anliegen der einzelnen Gruppen und Projekte des AJZ. Als „autonomes“, d.h. selbstverwaltetes Jugendzentrum sind diese Sitzungen öffentlich, funktionieren generell basisdemokratisch und im Konsens. Dabei verfügt jeder über das gleiche Mitspracherecht, auch Neue.

Das AJZ war und ist ein Ort, an dem man selbst bestimmen und Ideen verwirklichen kann, ohne Einschränkung durch gesellschaftliche Konventionen und Regeln, wenn auch mit intern festgelegten Grenzen. Der Ort ist offen für alle, die mitmachen und mitbestimmen wollen: die Zusammensetzung des Kollektivs verändert sich immer wieder, Werte und Wissen aus Projekten werden fortlaufend weitergegeben. So hat es in der Region Biel Generationen geprägt: als Treffpunkt der Alternativen oder als Ort, an dem Kulturschaffende, Querdenker/Innen und viele andere einen Freiraum zur Selbstverwirklichung finden konnten. Die Tradition des AJZ steht für Selbstverwaltung, Toleranz gegenüber Subkulturen und Randgruppen sowie Offenheit für Neues.

Das AJZ wurde 2017 auf die schweizerische Liste des „Immateriellen Kulturerbes der UNESCO“ aufgenommen. Ziel dieser Liste ist es, die Anerkennung, Aufwertung und Bewahrung des immateriellen Kulturerbes zu fördern.








Aktuell besteht das AJZ aus folgenden Arbeits- und Tätigkeitsgruppen:

AG Umbau/Raumersatz Villa Fantasie (beschäftigt sich mit baulichen Themen)
AG Chessu (Kollektiv zum Betrieb/Verwaltung des Gaskessels & Veranstaltungen)
AG Wohnungsnot (Erhalt von Freiraum in Biel)
AG Buch/Archiv (Verarbeitung der Geschichte vom AJZ in Buchform)
BIEL EN FLEUR (setzt sich für Biodiversität ein)
eBrain (Verein, Kommunikation und Informatik des AJZ)
Infoladen Chat Noir (Standort des AJZ-Archiv, politische Aktivitäten)
In Flagranti (Kollektiv zum Betrieb/Verwaltung der Villa Fantasie)
Plutôt Kaos (Arbeitsgruppe zur Sicherstellung der Eigenleistung, Neuveranstalter)
Sleep-In (Notschlafstelle)
Schrottbar (alternative Arbeits- und Lebensgemeinschaft)
Zirkologik (Zirkus- und Theaterschule)
Zukunft Chessu (Visionen/Fragen des AJZ)




Zur Website des AJZ




AJZ
Villa Fantasie/Verein In Flagranti




Eröffnung
1900
Villa Fantasie / Zonderbar



Vereinsgründung
1968
Verein ``In Flagranti``



Aktive Gruppierungen
0
Projekte



Als vor vierzig Jahren der Wunsch nach mehr Raum aufkam, besetzten Jugendliche die Fabrik „Elfenau“. Das AJZ erhielt als Tauschobjekt die Villa Fantasie an der Alexander-Schöni-Strasse 26, wo zuvor die städtische Jugendberatung, das Sorgentelefon „Knack“, das Jugendanimationszentrum und das Arbeitslosenzentrum war.

Die „Zonderbar“ entstand und betrieb die „Villa“. Als im Jahr 1983 das Gebäude verwüstet wurde, überdachte man das Projekt und erschuf die Tätigkeitsgruppe „In Flagranti“, welche soziokulturellen Raum bot. Die Villa wurde für 60.000.- renoviert, da der Bedarf für ein Jugendtreff weiterhin bestand, daraus ergab sich die Vereinsgründung des In Flagranti.

Anfang der 90er Jahre wurde mit der Gründung des „Undergrounds“ der Betrieb in die Nacht verlegt. Mit der Zentrumsverschiebung kamen Spannungen auf, welche den Umzug des „UG“s bewirkten.

Die frei gewordenen Räumlichkeiten wurden als Musikstudios, Sprayer Ateliers, Siebdruck und „Autonome Schule“ genutzt. Die Villa entwickelte sich mehr in eigene Gruppierungen und das In Flagranti wurde von dem AJZ betrieben, wodurch die gemeinschaftliche Nutzung des Gebäudes in Vergessenheit geriet. Aktuell wird die Villa Fantasie von ihren neuen Nutzern/Innen wiederbelebt und mit Hilfe der alten Vereinsstrukturen des In Flagranti geführt.








Aktuelle Gruppierungen in der Villa Fantasie:

2Fresh (DJ-Studio)
90 90 Rambel (Bandraum, Rock)
Aktion47 (Musikstudio, halböffentlicher Jugendtreff)
Autonome Schule (Sprachschule)
DJ Ker (DJ-Studio)
Freedom Warrior (DJ-Studio, Reggae)
G.C. UP (Garage Band)
Mozzi (Rap-Studio)
Zircologik (Lagerraum)




Verein In Flagranti




X-Project




Eröffnungsjahr
1900
Aarbergstrasse 72, 2503 Biel



Projekte
0
mit rund 300 Mietern



Besucher
000
pro Jahr



Ende der 80er bis und mit Ende der 90er Jahre wurden die neuaufkommenden Jugendinteressen von den älteren Generationen vielerorts ausgeschlossen. Im AJZ formierte sich aus diesem Grund eine erste Gemeinschaft aus Rappern, Graffitikünstlern und Breakdancern. Sie gründeten an der ersten gemeinsamen Sitzung im Gaskessel 1992 den Verein „Bienne Xtra – large“, welcher das Ziel hatte, ein Kulturzentrum für die Bieler Hip-Hop Bewegung auf die Beine zu stellen. Während 2 Jahren war der Verein privat in der alten „Pianofabrik“ eingemietet und erhielt eine kleine Subventionierung durch den Jugendfonds. Der Verein bestand 5 Jahre, löste sich jedoch während der Suche nach Gebäuden, aufgrund fehlender Möglichkeiten auf. Die Idee blieb jedoch bestehen und wurde von einigen weiterverfolgt und mit Hilfe von „Streetwork“ realisiert.

Im Jahr 2000 wurde durch eine positive Volksabstimmung und der Erlaubnis der Stadt Biel, das alte Swisscom Gebäude an der Aarbergstrasse 72, zur Eigennutzung freigegeben. Nach einer zweijährigen Umbauphase eröffnete das neue Jugendkulturhaus unter dem Namen
X-Project mit den Zielen Partizipation, Prävention und Integration.

2014 wurde das X-Project zum „Bieler des Jahres“ gewählt. Dennoch wurde nur ein Jahr später von der Stadt entschieden, dass das X-Project diesen zentralen und optimalen Standort verlassen muss.

Zurzeit zählt das X-Project auf einer Fläche von 2’900m2 über 30 Projekte mit 300 Mietern und wird wöchentlich von über 450 Nutzern besucht. Das Angebot umfasst Sport, Kunst, Grafik, Musik und soziokulturelle Projekte für jede Altersgruppe. Hinzu kommen jährlich verschiedene grössere Veranstaltungen, die Menschen aus der ganzen Schweiz anlocken.

Das X-Project bietet jungen Menschen Raum und die Möglichkeit, ihre Ideen und Projekte selbstständig umzusetzen. Dies trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei und schafft durch die Vielfalt an Projekten und Menschen jeder Herkunft verschiedenste Verbindungen und Konstellationen. Das X-Project ist und war bereits für viele Kulturschaffende ein Sprungbrett in die Professionalität.








Aktuelle Projekte des X-Project:

B.I.T.H (Video, Foto)
BARS (Musik, Tischfussball)
BN KIZUM (Hip-Hop, Rap)
Capsule Academy/TeKi TeKua (Tanzschule)
Capsule Corporation (Breakdance)
Crux bouldering (Bouldering Halle)
Hood Brawl (Death Metal)
Inx (Tattoo)
Jun’ai (Hip-Hop, Funk/Neo Soul)
King Records (Hip-Hop, Rap)
Kompost Kollektiv (Kunstatelier)
L’Evidence (Hip-Hop, Rap)
Skatepark TRBC/Loud Minority (Skate, Blade, BMX, Scooter)
Leg Ende/Malalatete/The Wolf and the Red Hood (Reggae, diverse Musikstile)
ONC (Wiederverwertung, Kunst)
PJ BIENNE (Politik, Jugendparlament)
Psychedelic Town (Psychedelic Rock)
RHXZ (Hip-Hop, Rap)
Sosa (Hip-Hop, Rap)
The Critical Experience (Psychedelic Indie Rock)
Treehouse (Hip-Hop, Rap)
Tschernobiel (Hip-Hop, Rap)
Unknown Project (Electro, Minimal)
XBROS/HGK/Dirty D Filmz (Graffiti-/Kunstatelier, Video)




Zur Website des X-Project